Lernfeld 4: Alltagspädagogik (inkl. Exkurs Traumapädagogik)

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Basisqualifizierung Heimerziehung für Quereinsteiger:innen

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Beschreibung

Inhalt

Lernfeld 4

In der Jugendhilfe kommt es darauf an, dass Kinder und Jugendliche lernen, Tagesabläufe zu strukturieren, Verantwortung zu übernehmen und soziale Beziehungen aufzubauen. Durch individuelle sozialpädagogische Begleitung im Alltag und durch gemeinsame Gruppenerfahrungen können individuelle Ressourcen gefördert und Sozialkompetenzen ausgebildet werden. Alltagspädagogische Maßnahmen tragen dazu bei, den Alltag zu gestalten, und bieten ein Lern- und Übungsfeld zur Gestaltung eines eigenständigen Lebens und einer eigenverantwortlichen Lebensführung.

Mit einer zunehmenden Professionalisierung der erzieherischen Berufe nimmt auch das Wissen in Theorie und Praxis zu. Die Tätigkeitsfelder in den Hilfen zur Erziehung werden vielfältiger und die beruflichen Aufgaben spezifischer. Aus der Vielfalt der neuen Theorien, Methoden und pädagogischen Handlungskonzepte gehen zunehmend neue Fachbegriffe und Konzepte hervor, aus denen sich wiederum spezielle methodische und pädagogische Handlungsweisen ableiten. Die Alltagspädagogik wird damit immer mehr zu einer allgemeinen Kategorie vielfältiger Arbeitsweisen und Tätigkeitsbereiche, aus denen sich keine konkreten Theorien, Konzepte und Methoden herleiten lassen. In der Fachliteratur wird der Begriff Alltagspädagogik daher kaum noch als eigenständiges Handlungsfeld geführt. In der beruflichen Praxis sieht dies jedoch anders aus.

Der berufliche Alltag ist geprägt durch langjähriges Erfahrungswissen der Fachkräfte, das sich neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erst langsam aneignen müssen. Dieses Erfahrungs- und Handlungswissen bildet die Basis für professionelles, praxisorientiertes Handeln in konkreten Situationen zur Bewältigung des Tagesablaufes.

Gespeist wird dieses Erfahrungswissen durch eine Vielzahl von Ereignissen und erprobten Vorgehensweisen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die sich im Laufe der Zeit in konkreten Alltagssituationen bewährt haben. Hieraus leiten sich wiederum bestimmte verallgemeinerbare Strategien und konkrete Handlungsabläufe ab, die zu wichtigen Erkenntniszusammenhängen und professionellen Handlungskompetenzen führen. Eine Alltagspädagogik orientiert sich zwar an alltäglich auftretenden Herausforderungen im Umgang zwischen der Fachkraft und den Kindern oder Jugendlichen, aber die pädagogischen Handlungen erfolgen keineswegs zufällig oder willkürlich. Nimmt man die alltagspädagogischen Programmatiken von Einrichtungen in den Hilfen der Erziehung in den Blick, so wird unter einer alltagspädagogischen Ausrichtung in der Regel eine Zugangsweise professionellen pädagogischen Handelns verstanden.

Die sich im Alltag ergebenden Situationen und Themen sollen situationsgerecht, wenn möglich familiennah aufgegriffen und für die individuelle pädagogische Begleitung der Kinder und Jugendlichen genutzt werden. Im Vordergrund stehen die individuelle Zuwendung sowie die zielgerichtete und realitätsnahe Gestaltung und Einbindung in Alltagsabläufe eines normalen Lebensumfeldes. Zu den zentralen Elementen einer Alltagspädagogik gehören der Aufbau einer geregelten Tagesstruktur, der Auf- und Ausbau vertrauensvoller sozialer Beziehungen sowie die Vermittlung eines Verantwortungsgefühls im Umgang mit alltäglichen Pflichten und Rechten der Tagesgestaltung. Langfristiges Ziel ist die Bewältigung und die Vorbereitung auf ein selbstständiges und eigenverantwortliches späteres Leben.